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Ein Münsterland - Krimi aus dem Leben: Das Jagdmesser

Liebe Leserinnen und Leser,

wie Sie wissen, schreibe ich Krimis. Die Handlungen und Personen darin sind frei erfunden.
Meine Ermittler, Dietmar Höing und sein Team, arbeiten gewissenhaft. Schlampereien dulde ich nicht :-)
Das bin ich mir selber und auch Ihnen schuldig.

Es sind fiktive Ereignisse, die von mir beschrieben werden, aber wie sieht die Realität aus? Das Leben schreibt meist schlechte Geschichten. Das darf ich so sagen, denn ohne Vorwarnung fand ich mich, plötzlich und unerwartet, selbst in einem realen Krimi wieder. Davon möchte ich Ihnen heute berichten.

Eine liebe Freundin von mir, ich nenne sie einfach Sylvia, erhielt den Anruf einer Frau, mit der sie selbst sehr lange befreundet ist, ich gebe ihr den Namen Lisa. Lisa fragte aufgeregt, ob Sylvia Post erhalten habe, von dem Freund von Lisa, Peter.
Es sei etwas passiert, Peter wolle sich etwas antun, Lisa sei auf dem Weg zu ihm. Er hätte eine SMS geschickt und darin geschrieben: »Brief an Silvia ist auf dem Weg.«

Im Posteingang war kein Brief, Sylvia riet ihrer Freundin, die Polizei zu informieren. Nachdem das Gespräch beendet war, versuchte sie, Peter zu erreichen, der hatte nur die Mailbox geschaltet. Sie hinterließ eine Nachricht und wartete vergeblich auf einen Rückruf.

Irgendwann im Laufe des Nachmittags meldete sich Lisa wieder. Sie war nur kurz zuhause, wollte sich umziehen, denn sie musste zur Wache, eine Aussage machen. Ihr Freund Peter hatte seine Frau, mit der er bereits die Scheidung vorbereitet hatte, mit einem Jagdmesser erstochen. Sein Selbstmord konnte verhindert werden.

Spätabends rief eine erschöpfte Lisa bei Sylvia an und schilderte unter Tränen die Ereignisse. Erzählte auch von der Vernehmung und dass von dem Beamten die SMS gesichtet worden sei. Lisa bat ihre Freundin, falls tatsächlich ein Abschiedsbrief von Peter bei ihr eingehen würde, dass sie diesen öffnen und lesen solle und falls in diesem Brief etwas geschrieben worden sei, was nicht gut für sie sei, sie ihr das auch nicht vorlesen solle.

Für Sylvia war es allerdings klar, dass sie diesen Brief nie erhalten würde. Denn sie setze völlig logisch voraus, dass der Beamte Lisa umgehend gefragt hat: »WER IST SILVIA?«
Sie selbst war durch die Ereignisse mehr als betroffen, fühlte sich überfordert. Und so versuchte sie am nächsten Tag professionelle Hilfe für ihre Freundin zu finden. Irgendwann im Laufe des Vormittags sprach sie eine Mitteilung auf den Anrufbeantworter der Opferhilfe, die Telefonnummer hatte sie von einer anderen Organisation erhalten.

Dann kam die Post. Und im Posteingang befand sich tatsächlich ein A5 Umschlag, der an sie adressiert war. Sie öffnete ihn und fand einen normalen Briefumschlag, der an ihre Freundin Lisa gerichtet war. Sylvia rechnete jeden Moment mit dem Eintreffen der Polizei, wollte aber, dass ihre Freundin Lisa diesen Brief auch lesen konnte. So öffnete sie den Brief, nahm die Seiten heraus, legte diese einzeln auf den Scanner und speicherte sie auf ihrem Rechner. Dann fügte sie die Seiten zusammen, packte diese wieder in den Umschlag und legte ihn sicher weg.

Als sie die Datei der ersten Seite öffnete, blieb ihr Blick an einer Zeile hängen.

Lisa rief an und Sylvia hat ihr den Brief vorgelesen, ohne eine Zeile auszulassen.
Während Sylvia las, hörte Lisa nur zu, dankte dann ihrer Freundin und legte auf.

Sylvia befand sich in einem Konflikt. Sollte sie diesen Brief einfach vernichten? Peter hatte seine Beweggründe, die ihn in den Gedanken eines erweiterten Selbstmordes getrieben haben, in dem Brief geschildert. Nun lebte er noch, er war verhaftet. Eine gemeinsame Zukunft mit Lisa, die eigentlich geplant war, hatte er zerstört. Sylvia kannte Peter, wenn auch nur oberflächlich. Sie wusste im Ansatz um seine Probleme, dass seine Situation aber so schlimm war, dass er sich zu dieser Tat hinreißen ließ, hat sie selbst erst durch diesen Brief erfahren.

Und sie hörte die Frage: »Wer ist Silvia?«

Sollte sie einfach sagen: »Was für ein Brief? Ich weiß von keinem Brief!«

Am nächsten Tag kam ein Rückruf, sie hatte ja auf das Band der Opferhilfe gesprochen. Hilfe für Lisa konnte und wollte man ihr nicht anbieten. Sylvia hatte ihre Entscheidung getroffen, wusste, dass sie bei einer Befragung nicht lügen konnte und so teilte sie der Beamtin mit, dass der Brief angekommen sei und wann er denn endlich abgeholt wird. Die Beamtin verband sie dann mit dem zuständigen Sachbearbeiter, der fragte nur lapidar: »Was für ein Brief?«, ob sie den nicht im Laufe des Tages an der Wache vorbeibringen könne…
Der Brief wurde kurz darauf von dem Beamten abgeholt.

In der vergangenen Zeit habe ich viele Gespräche geführt. Habe auch den Brief als Datei auf meinem Rechner, habe ihn immer wieder gelesen. Und mir dabei die Frage gestellt, wie ich gehandelt hätte.

Es ist eine schlechte Geschichte. Daraus einen guten Krimi zu machen, ist für mich schwierig. Das könnte ich Dietmar Höing und Bea Kormann und dem Rest meines Ermittlerteams nicht antun und auch Ihnen nicht, liebe Leserinnen und Leser.

Ich werde es trotzdem versuchen. Einen Titel habe ich mir auch schon überlegt:
»Sylvia, mit Ypsilon!«

Ihre

Tuna vB